linwein@terra.com.br
 
 
 

Kein Wort reimt sich auf Mensch     

 

    
 
Labyrinth der Wissenden                                                                

Der Mensch, im Labyrinth der Welt gefangen,
er geht im Kreis auf ausgetretnem Pfade.
Sein forschend Auge schaut kein fremd Gestade
jenseits der Wege, die er längst gegangen.

Du sagst, er sandte Sonden nach den Sternen,
er flog zum Mond, er spaltete Atome,
entschlüsselte die eigenen Genome,
sein Geist erschloss ihm selbst die fernsten Fernen!

Fürwahr, er lernte messen, zählen, wiegen,
er lernte, Auge und Verstand zu schärfen,
das Labyrinth mit Scharfsinn zu ergründen -

doch über seinen eignen Trott zu siegen,
sein Hoffen über sich hinaus zu werfen,
das muss ihm Gott durch seine Engel künden.

.........................................................................................................

Macht ohne Güte?                                                                          

Als hilflos Wesen wird der Mensch geboren.
Ohnmächtig, Mutterhänden preisgegeben,
erlebt er Macht als Güte, die sein Leben
bewahrt und schützt, ohn’ die er wär verloren.

Entwächst er dann der Macht, eh er verstanden,
dass sie nur gut ist, wenn sie Leben nähret,
wenn sie von Gottes Macht und Güte zehret,
dann schlägt er andere mit ihr in Banden.

Er sinnt nur eines: seine Macht zu mehren,
sie hart und ohne Gnade einzusetzen,
gilt es, den Widersacher auszuschalten.

Ein kleiner Schritt nur bis zu Kriegesheeren,
die Machtbesessne aufeinanderhetzen,
wo Hass und Hader dann die Ernte halten.

.........................................................................................................

Geborgenheit                                                                                  

Nie ward uns Menschen eine Zeit gegeben,
die nicht gewusst von namenlosem Grauen,
von Ängsten, die aus Kinderaugen schauen,
von Schatten, die sich aus dem Abgrund heben.

Es waren nicht nur Seuchen, Beben, Kriege;
die Angst hat manch Gesicht, trägt manchen Namen:
Oft ist sie nichts als alter Ängste Samen,
der schon gesät ward an der Kinder Wiege.

Wir suchen heut die Schatten zu verdrängen,
durch leicht Getön die Angst zu überspielen,
uns klug zu sichern vor dem dunklen Morgen.

Sehn wir, wie tief die finstren Wolken hängen,
wie zuckend schon die ersten Blitze fielen?
Sind wir im tiefsten Sein bei Gott geborgen?

.........................................................................................................

Wie alles begann                                                                            

Jäh, mit dem Urknall, hab’ es einst begonnen:
ein kleiner Punkt, der sich zum All geweitet,
aus dem sich Raum und Zeit erst ausgebreitet,
die Bahn bereitend für Milliarden Sonnen.

Die Wissenden schaun forschend in die Weiten;
sie suchen zu ergründen, was geschehen,
den Ablauf aller Dinge zu verstehen,
das Weltall zu enträtseln und zu deuten.

Der kleine Mensch - ein Stäublein unter Sternen:
wie könnt er deuten, was ihn selbst gezeuget,
das Häuflein Sternenstaub, die eigne Erde?

Die Not ist, dass er horcht in fernste Fernen,
dass er den Knall gehört, doch Gott ihm schweiget,
dass er nicht hörte, wie Gott sprach: “Es werde!”

.........................................................................................................

Globalisierung                                                                                 

Nur eine Welt soll sein, Welt ohne Schranken,
in der sich alle Menschen frei bewegen,
in der sie unbehindert Handel pflegen:
der Rede Freiheit, Freiheit der Gedanken!

Ein freundlich Bild: Wer wollt’ sich ihm verschliessen?
Wer Anwalt sein von Grenzen, die zerteilen,
wer wollte nicht den bösen Schaden heilen,
den Selbstsucht und Zertrennung wachsen liessen?

Doch dann befällt uns plötzlich banges Ahnen:
Wie, wenn die Grenzen nur verlagert werden,
wenn sie bald Hungernde von Satten trennen?

Wenn wir den kalten Machern Wege bahnen,
regiert dann nicht bald Kains Geschlecht auf Erden?
Herr, lass uns deinen Weg mit uns erkennen!

.........................................................................................................

Höllisches Spiel                                                                              

Das alte Spiel der Macht, es blieb das gleiche,
seit Menschen sich um Fahn und Führer scharen:
Die Spieler, ränkereich und trugerfahren,
baun insgeheim am gleichen Unrechtsreiche.

Sie suchen ihre Gegner auszumerzen,
Schuld zuzuweisen, sich ins Recht zu setzen,
erlittne Unbill blutig auszuwetzen,
und haben letztlich doch nur eins im Herzen:

am Ende als Gewinner dazustehen,
die Augen schon auf’s nächste Spiel gerichtet:
Macht wird im Grunde stets nach Weltmacht schielen.

Das böse Spiel wird morgen weitergehen:
der nächste Feind wird eben jetzt gesichtet!
Gott helfe uns, das Spiel nicht mitzuspielen!

.........................................................................................................

Reim auf den Menschen?                                                                

Kein Wort reimt sich auf Mensch. Kein andres Wesen
steht gleich dem Menschen zwischen Tier und Engel.
Er fühlt den gleichen Trieb, die gleichen Mängel
wie jed´ Geschöpf, und weiss sich doch erlesen,

als geistig Wesen die Natur zu sprengen,
die ganze Welt sich untertan zu machen,
als Herrscher über der Natur zu wachen,
sein Leben wahrend, Leben zu verdrängen.

Und, einsam unter allen Kreaturen,
sucht er den Ort, der ihm gebührt auf Erden,
sein ungereimtes Sein zu überwinden.

Als Glaubender folgt er der Hoffnung Spuren,
´ nicht im Gewordensein, noch ganz im Werden´,
in Gottes Ebenbild sich selbst zu finden.

.........................................................................................................

Das andere Netz                                                                            

Wir hängen unsre Sender und Antennen
hoch an den Himmel, allzeit anzupeilen.
Sie schaffen Nähe, wo wir auch verweilen -
wir müssen nur die richtgen Ziffern kennen.

Wo wir nun unser Netz so fein gesponnen,
Kontakte schon durch Tastendruck entstehen –
weshalb sehn wir so viele einsam gehen,
die niemals eines Menschen Herz gewonnen?

Ist nicht das grosse Netzwerk überfordert,
wenn wir mehr als Kontakte in ihm suchen,
wenn wir erwarten, dass es uns verbindet?

Gott schuf ein Netz, das keine Ziffern fordert,
in dem die Schlauen nicht Erfolge buchen,
ein Netz, in dem der Ferne Nächste findet

.........................................................................................................

Gott gleich sein                                                                               

Sollt es dem Menschen eines Tags gelingen,
sich, wie er meint, selbst in den Griff zu kriegen,
Natur mit kalter Technik zu besiegen,
die eignen Gene in sein Mass zu zwingen,

er müsste dann, von bösem Zwang getrieben,
sich selbst als seinen eignen Schöpfer sehen,
sich gottlos selbst als kleinen Gott verstehen,
der plant und schafft nach eigenem Belieben.

Ihr werdet sein wie Gott: Wie einst, so heute,
sind wir versucht, als Gott uns zu gebärden. -
Weshalb das Zerrbild? Warum Gott berauben?

Begriffen wir, dass Gott sich selbst nicht scheute,
für uns in seinem Sohne Mensch zu werden?
Ihm wahrhaft gleich sein, heisst an Christus glauben.

.........................................................................................................

Völkerfrieden                                                                                   

Was Frieden zwischen Mensch und Menschen zeuget,
muss gelten auch für Völker und Nationen:
Gott will nicht, dass sie Hass mit Hass belohnen,
ein Volk des andren Recht und Wahrheit beuget.

Ein Christ kann schwerlich einen Krieg verhindern:
er kämpft auf andrem Feld, mit andren Waffen.
Doch kann er durch sein Zeugnis Boden schaffen
für Friedenswege, und kann Böses mindern.

Er kann für Frieden einstehn, Frieden leben,
kann für Bedrängte Gut und Leben wagen,
kann kämpfen für das Wahre und das Rechte.

Er kann die Hände im Gebet erheben,
er kann den Mächtigen die Botschaft sagen,
bezeugen, dass auch sie nur Gottes Knechte.

.........................................................................................................

Elfter September zweitausendundeins                                              

Seit jenem Tag, an dem die Türme stürzten,
ist unsre alte Welt nicht mehr die gleiche:
als ob nun Kräfte aus dem Höllenreiche
die Gnadenzeit, die Gott ihr gab, verkürzten.

Verzagte Herzen sollt die Untat schaffen,
vom Hass der Unterdrückten blutig zeugen,
die Reichen schrecken und die Mächtgen beugen,
Unschuldige gleich Schuldgen hinzuraffen.

Wie wird die Welt der Schreckensmacht begegnen?
Wird sie sich mühn, die Wurzeln aufzudecken,
Gerechtigkeit zu säen, Brot zu teilen?

Wird Rachefeuer auf die Menschen regnen -
wie bei den Türmen: Flammen, Schock und Schrecken?
O Gott, nur du kannst unsern Schaden heilen!

.........................................................................................................

Der Königsweg                                                                                

Es ist der Königsweg im Weltgetriebe,
ein Weg, den unser König selbst gegangen,
er führt durch Freude und durch Angst und Bangen:
es ist der Gottesweg, der Weg der Liebe.

Es ist kein andrer unter tausend Wegen,
auf dem, gleich ihm, die Engel Gottes walten,
auf welchem selbst die Blinden Richtung halten,
den Gott begnadet mit dem gleichen Segen.

Der Königsweg ist auch der Weg des Knechtes,
auf dem er liebend um die Welt geworben,
ein Bruder der Gebeugten und Geringen,

ist Weg des wundersamen Gnadenrechtes,
nach dem der Heilige für uns gestorben,
sich selbst in Liebe für uns darzubringen

.........................................................................................................

Drogen, eine Fehlsteuerung                                                             

Von Lust und Unlust wird der Mensch gesteuert:
Ein fein Zusammenspiel von Leib und Seele
hilft ihm, dass er das Leben nicht verfehle,
dass Trieb wie Freude sich in ihm erneuert.

Gedanken wirken auf die innren Säfte,
und Säfte steuern wieder die Gedanken,
und wenn Gott will, durchbricht er beider Schranken
und offenbart in uns des Himmels Kräfte.

Wenn nun der Mensch das feine Spiel missachtet,
wenn er versucht, sein Hirn zu überschwemmen
mit Taumelstoffen, die ihm Glück verheissen,

dann wird sein Auge trüb, sein Geist umnachtet
von Giften, die ihm Leib und Seele hemmen.
Hilf, Menschen dieser Hölle zu entreissen!

.........................................................................................................

Die Oekumene Christi                                                                     

Wir Christen werden nicht zusammenfinden,
dadurch dass unsre Kirchen fusionieren.
Kein irdisch Haupt wird Christi Volk regieren,
nicht Menschensatzung die Gewissen binden.

Es wird durch Jesu Geist und Wort geschehen:
Der gute Hirte wird die Herde weiden,
wird rufen, laden, wird die Geister scheiden,
und wird inmitten seiner Herde stehen.

Hat Jesu Hirtenwerk nicht schon begonnen?
Tönt nicht sein Ruf schon über unsre Hürden?
Schaun wir nicht schon im Geist die eine Herde?

So manche Einung ist in Nichts zerronnen,
hat neue Last gebracht und neue Bürden:
Gib du, o Herr, dass eine Herde werde!

.........................................................................................................

Fortschreiten – wohin?                                                                    

Stets fortzuschreiten sei der Mensch auf Erden,
nach vorn zu denken, Zukunft zu erfinden,
allzeit, was Fortschritt hemmt, zu überwinden:
Nur fort vom Heute, soll es Morgen werden!

‚Fort’, denkt der Mensch, der letztlich ungeborgen.
Der Fortschritt, als ein blosses Weiterschreiten,
als Aufbereiten alter Möglichkeiten,
er krankt am Ziel, am unbehausten Morgen.

Wo nicht ein Lot sich senkt in unser Leben,
wo nicht ein Leuchten unsre Zeit durchwaltet,
das unsern Schritten Ziel und Richtung weist,

da können wir nichts andres weitergeben
als unser Gestern, heute schon veraltet.
Das Morgen weist uns einzig Gottes Geist.

.........................................................................................................

Gottes Lot                                                                                     

Manch Leiden können Seelenärzte heilen:
Geheime Ängste, alte Lebenswunden,
durchwachter Nächte unruhvolle Stunden:
mit allem dürfen wir zum Arzte eilen.

Doch Menschenärzte können uns nicht lösen
von Fesseln, die uns im Verborgnen knechten,
von dunklen und zerstörerischen Mächten,
von der Gewalt und von der Qual des Bösen.

Das Lot, das wir in unsre Seele senken,
reicht nicht in ihre letzten, dunklen Gründe,
kann unsres Unheils Mass nicht offenbaren.

Gott senkt sein Lot in uns, uns zu beschenken,
uns zu erlösen von der Macht der Sünde;
er will, dass wir sein ewig Heil erfahren.

.........................................................................................................

Des Menschen wahrer Wert                                                          

Was ist er wert? - So fragt man mancher Orten,
um jemandes Besitzstand zu erkunden.
Der Wert des Menschen wird an das gebunden,
was er vermocht´ an Geld und Gut zu horten.

Der Mensch wird hier erniedrigt und entwürdet,
sein Wesen wird verkannt und falsch gedeutet:
Ist, was er sich errafft und schlau erbeutet,
nicht eher Last, die er sich aufgebürdet?

Die Früchte rechten Tuns sind Gnadengaben,
und alles, was der Mensch erwirbt auf Erden,
wird ihm zum Fluch, wenn es nicht Liebe kündet.

Des Menschen Wert heisst Sein, nicht Tun und Haben,
und alles Sein in dieser Zeit heisst Werden,
und Sein und Werden sind in Gott gegründet.

.........................................................................................................

Schenkt Gott ein Erwachen?                                                           

Einst waren Bär und Wolf des Menschen Schrecken.
In seine Träume drängten Molch und Schlangen,
und Drachenmythen zeugten Angst und Bangen:
Wer würde ihn aus seinem Albtraum wecken?

Es weckt´ ihn die Vernunft. Von Not getrieben,
lernt´ er sich wehren vor den wilden Horden.
Dann ist der Mensch des Menschen Wolf geworden,
er war der einzge Feind, der ihm verblieben.

Jetzt geistern durch die Träume von Millionen
die Mordmaschinen, die er sich geschaffen,
erschreckender als Schlangen und als Drachen.

Der Weckruf gellt. Wird Gott die Wölfe schonen,
die Menschen morden mit der Hölle Waffen?
Schenkt er aus diesem Albtraum ein Erwache

.........................................................................................................

Gott löst unsere Lebensgleichung 

E = m.c²                                                                                        

Wir rechnen in der Gleichung unsres Lebens
im letzten Grund mit lauter Unbekannten.
Das, was sie einst Stoff und Materie nannten,
ertasten unsre Hände nun vergebens.

Mit dem Verstand begreifen und mit Händen,
war für uns Menschen immer schon verbunden.
Der Stoff ist heute Hirn und Hand entschwunden.
Wohin soll, der ins Leere greift, sich wenden?

Welle und Teilchen, wer will sie begreifen –
Felder und Kräfte, die das All erfüllen?
Formel und Gleichung scheint der Welten Wesen.

Wo nichts begreifbar blieb, kann Glaube reifen:
Der unbekannte Gott will sich enthüllen,
will selber unsres Lebens Gleichung lösen.